Prozesswärme

VDMA: Optimismus durch neue Wachstumschancen

„Für 2014 rechnen wir mit einem Umsatz von € 210 Mrd.“, erklärte VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge auf der Pressekonferenz des Verbandes am Rande des 7. Maschinenbau-Gipfels in Berlin. Das sei der höchste Umsatz, den die Maschinenbauindustrie je erreicht habe. Vor zehn Jahren – 2004 – lag der Umsatz der Maschinenbauindustrie bei € 143 Mrd. „Das heißt, wir haben in zehn Jahren 46 % zugelegt“, berichtete Festge.

„Für 2014 rechnen wir mit einem Umsatz von € 210 Mrd.“, erklärte VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge auf der Pressekonferenz des Verbandes am Rande des 7. Maschinenbau-Gipfels in Berlin. Das sei der höchste Umsatz, den die Maschinenbauindustrie je erreicht habe. Vor zehn Jahren – 2004 – lag der Umsatz der Maschinenbauindustrie bei € 143 Mrd. „Das heißt, wir haben in zehn Jahren 46 % zugelegt“, berichtete Festge.


Aufgrund der gegenwärtig stotternden Konjunktur brauche Deutschland dringend öffentliche und private Investitionen. „Aber gleich vorweg: Keine Finanzierung durch neue Steuern!“, warnte der VDMA-Präsident. Die Bundesregierung habe mit der 63er-Rente und der Mütterrente leichtsinnig vorhandenes Geld ausgegeben. „Das rächt sich jetzt“, so Festge. Was die Unternehmen brauchten sei klar: "ein investitionsfreundliches Klima, wenn wir Industriestandort bleiben wollen“. Die Maßnahmen der deutschen Bundesregierung waren dazu kein Beitrag. Statt immer wieder in die Umverteilungskiste zu greifen – Rente mit 63 und Mindestlöhne – sollten besser verlässliche und zukunftsweisende Rahmenbedingungen für Investitionen in Innovation, Modernisierung, Bildung sowie Forschung und Entwicklung geschaffen und so der langfristige Wachstumstrend angehoben werden.


Insgesamt bleiben die Maschinenbauer zuversichtlich für das Jahr 2014: „Wir sollten die deutsche Konjunktur nicht schlecht reden. Unser Bestelleingang lag im Zeitraum Juni bis August drei Prozent über Vorjahresniveau. Wir müssen also unser Ziel eines Produktionswachstums von einem Prozent für 2014 nicht in den Wind schreiben“, so der VDMA-Präsident.


Das Exportvolumen lag in den ersten sieben Monaten 2014 mit € 87,7 Mrd. rund € 500 Mio. unter dem des Vorjahres. Ursache hierfür war die konjunkturelle Entwicklung weltweit, die hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück geblieben war. Die direkten Lieferausfälle nach Russland beliefen sich im ersten Halbjahr 2014 auf rund 20 %. Der negative Trend werde durch die überzogene Handhabung der EU-Sanktionen in Deutschland zusätzlich verstärkt. „Bitter für uns: Anbieter aus Asien, insbesondere aus China, springen sofort in die Lücke, und deutsche Unternehmen verlieren ihren über viele Jahre aufgebauten Ruf als zuverlässigen Lieferanten“, erklärte der VDMA-Präsident.


Im August 2014 beschäftigten die deutschen Maschinenbauer 1.008.000 Mitarbeiter. Das sind 1,8 % oder 18.000 Personen mehr als im Vorjahresmonat. Im Mai dieses Jahres hatte die Zahl der Beschäftigten erstmals wieder die Eine-Million-Marke erreicht. Das war zuletzt 1993 der Fall. „Die hervorragende Beschäftigtenbilanz spricht für die Zuversicht“, betonte der VDMA-Präsident. „Zum einen scheiden in den kommenden Jahren viele Beschäftigte – auch wegen der Rente mit 63 altersbedingt aus. Zum anderen herrscht in vielen Regionen und Berufsfeldern bereits eine Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften. Die Maschinenbauer treffen deshalb Vorsorge, um den Nachwuchs an Fach- und Führungskräften rechtzeitig sicherzustellen. Sie glauben also an mittelfristige Wachstumschancen hier in Deutschland“, berichtete Festge.


Für 2015 erwarten die Maschinenbauer ein Produktionsplus von zwei Prozent. „Zwei Prozent ist sicher keine besonders dynamische Entwicklung. Ein Aufschwung ist nach den insgesamt doch eher dahindümpelnden Jahren 2013 und 2014 schon rein zyklisch überfällig“, sagte der VDMA-Präsident. „Aber: Eine Kombination aus intelligenten Strukturreformen, mehr öffentlichen und privaten Investitionen und einem niedrig oder gering bewerteten Euro würde unserem Wachstum deutlich auf die Sprünge helfen. Bisher müssen wir uns damit begnügen, dass allein von der Abwertung des Euro und der damit einhergehenden verbesserten preislichen Wettbewerbsfähigkeit positive Impulse auf unser Exportwachstum ausgehen.“ Zahlreiche Belastungsfaktoren verhinderten, dass dieser Zyklus flächendeckend in Gang komme. Allein mit Frankreich, Russland und Italien sorgten drei der Top-Exportmärkte regelmäßig für negative Schlagzeilen.


„Die USA werden wichtiger, China bleibt bedeutsam und Afrika bietet große Chancen“, so fasste der VDMA-Präsident die Zukunftsperspektiven zusammen. Insgesamt sei von einem erhöhten Ausrüstungsbedarf vor allem bei den US-Industrien auszugehen, die von den niedrigen Energiepreisen profitieren, z. B. die US-Petrochemie. Auch im US-Automobilsektor werde weiter kräftig investiert. Deshalb sei auch TTIP von zentraler Bedeutung. „Die USA sind schon jetzt der zweitwichtigste Exportmarkt und der wichtigste ausländische Investitionsstandort für uns. Aber es könnte noch weit besser laufen, wenn es zum Beispiel keine technischen und bürokratischen Hürden gäbe. Es gilt eine einfache Gleichung, die aber offensichtlich bisher in der öffentlichen Diskussion um TTIP wenig Gehör gefunden hat: Weniger Zölle und Handelsbarrieren sorgen für verbesserte Exportchancen, höhere Umsätze und mehr bzw. sicherere Arbeitsplätze“, betonte Festge. „TTIP wäre ein echtes Konjunkturprogramm und dazu noch ein kostenfreies. Und wir können es uns schlicht nicht leisten, die USA zu enttäuschen, nur weil wir in Deutschland auf einer Chlorhühnchenchimäre reiten.“


Auch die aktuelle Entwicklung im Chinageschäft ist sei erfreulich. Nach zwei schwächeren Jahren in 2012 und 2013 legten die Ausfuhren der deutschen Investitionsgüterindustrie im ersten Halbjahr 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wieder zu. Dies belegt das positive Investitionsumfeld im Land und zeige, dass High-End-Produkte aus Deutschland auch weiterhin von den chinesischen Kundenbranchen geschätzt werden.


In Afrika sieht der VDMA erhebliches Wachstumspotential für seine Mitgliedsunternehmen. 2013 seien Maschinen im Gesamtwert von rd. € 4,4 Mrd. dorthin geliefert worden, eine Steigerung um über 11 % im Vergleich zum Vorjahr. Zwar habe sich die Exportsteigerung in den ersten Monaten 2014 etwas verlangsamt. Dies sei vor allem auf einen Rückgang der Exporte in die Republik Südafrika, dem größten Einzelmarkt des Kontinents, zurückzuführen. Sehr positiv hätten sich 2014 aber Algerien, Nigeria, Äthiopien, Kenia und Namibia entwickelt. „Trotzdem haben wir auf dem Kontinent mit dem Wettbewerb durch asiatische Maschinenbauer zu kämpfen, der Marktanteil für Maschinen „Made in Germany“ ist auf jeden Fall noch ausbaufähig“, sagte Festge. „Wir fordern daher eine zwischen den einzelnen Ministerien stringente abgestimmte Afrika-Strategie. Ein besonderes Anliegen ist hier eine flexiblere Anwendung der Hermes-Instrumente. Gerade bei der Finanzierung geraten die deutschen Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent im Wettbewerb mit anderen Nationen ins Hintertreffen.“


Um innovative Themen wie „Industrie 4.0“ oder das Thema „Additive Manufacturing“ – auch 3D-Druck genannt – voran zu bringen, fordert der VDMA die Politik zum wiederholten Mal auf, die degressive Abschreibung unbefristet wieder einzuführen. „Sie spiegelt den Wertverlust und den Modernisierungsbedarf bei Investitionen wider, erleichtert die Investitionsfinanzierung und erhöht die Attraktivität Deutschlands als Investitionsstandort“, sagte der VDMA-Präsident.


Deutschland stehe nur in Relation zu den politisch und wirtschaftlich reformunwilligen Staaten im Süden Europas „gut da“. Schuld habe eine Politik, die kein Vertrauen schaffe und keine klare Botschaft für mehr Wachstum und Beschäftigung setze. „Längst gefährdet das geringe Investitionsniveau die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland. So sind allein in den beiden letzten Jahren die Ausrüstungsinvestitionen um knapp drei Prozent geschrumpft“, berichtete Festge. „Um es ganz klar zu sagen: Wir rufen nicht nach einem Konjunkturprogramm. Wir fordern aber eine Politik, die klar auf mehr Wachstum und Beschäftigung setzt durch verlässliche Regeln, die mehr Freiraum für Investitionen geben."


Quelle: VDMA e.V.

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